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50. Deutsches Mozartfest 2001 in Augsburg
Das Jubiläumsjahr 2001 war für das Präsidium der DMG und die Schriftleitung der Acta Mozartiana, das Mitteilungsorgan der DMG, ein willkommener Anlaß, in einer Sonderauflage nicht nur das Programm des 50. Deutschen Mozartfestes darzustellen, sondern mit vielen hochrangigen und interessanten Beiträgen die Geschichte der DMG und ihrer wesentlichen Einrichtungen ins Gedächtnis zu rufen. Professor Dr. Friedhelm Brusniak, Präsident der DMG, hatte deshalb auch in seinem Vorwort darauf hingewiesen, daß für die festlichen Tage eine Konzeption gewählt wurde, um "über weniger bekannte Aspekte aus der Gründungsphase der DMG etwas ausführlicher zu informieren und im Anschluß ausgewählte Zeugnisse der DMG-Geschichte zusammenzustellen. Wichtige Institutionen und Aktivitäten der DMG, sowie Portraits der DMG-Mitgliedsvereine sind in einem Dokumentationsteil versammelt". Und diese Absicht ist in hervorragender und auch nach dem Jahr 2001 nachlesenswerter Form gelungen. Zu besonderer Ehre gereichte es der DMG, daß Professor Dr. Roman Herzog, Bundespräsident a.D., die Schirmherrschaft übernommen hatte. Aus der Reihe der in der Festschrift abgedruckten Grußworte von Bezirkstagspräsident Dr. Georg Simnacher, Oberbürgermeister der Stadt Augsburg, Dr. Peter Menacher, vom Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Professor Albert Scharf, und vom Präsidenten der Internationalen Stiftung Mozarteum in Salzburg, Dr. Friedrich Gehmacher, soll bewußt, verbunden mit bestem Dank, auf folgende Sätze des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber hingewiesen werden: "Ich verbinde meinen Gruß mit einem gleichfalls herzlichen Wort des Dankes an die Deutsche Mozart-Gesellschaft, die sich der Pflege der Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und ihrer musikwissenschaftlichen Erforschung auf beispielhafte Weise annimmt. In diesem Engagement wird sie auch künftig auf Sympathie und Förderung im Freistaat Bayern zählen können. Bayern profiliert sich so als ein Musikland." Erfreulich bleibt weiterhin in Erinnerung, daß die Medien das 50. Deutsche Mozartfest hervorragend angekündigt und vorbesprochen haben, auch über den Verlauf großzügig berichtet haben. Ebensolches Lob gehört aber auch dem Bayerischen Rundfunk, der den Konzerten besonderes Augenmerk geschenkt hat. Diese Tatsache ist sicher ein Ansporn für die DMG und ihre Mitglieder, die in der Satzung festgeschriebenen Ziele auch in Zukunft in die Tat umzusetzen. Die Eröffnung des Festes hatte einen würdigen Rahmen im Goldenen Saal des Rathauses von Augsburg. Die Grußworte fanden einen Höhepunkt in der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an den Hausherrn, Oberbürgermeister Dr. Peter Menacher, durch den Präsidenten der DMG, vor allem aber auch im Festvortrag von Vizepräsident Prof. Dr. Ulrich Konrad. Er ging in überraschender, aber auch brillanter Weise der Frage nach: Was wäre gewesen, wenn W. A.Mozart im Jahre 1806 seinen 50. Geburtstag bei einem Mozartfest in Augsburg im Goldenen Saal erlebt hätte, wie wäre überhaupt sein Leben zwischen 1791 und 1806 verlaufen? Es war ein köstlich-spannendes Gedankenspiel, das dem Redner bestens gelungen war. Reicher Beifall dankte ihm dafür (siehe den Abdruck des Redetextes in diesem Heft). Die junge und talentierte Pianistin Sana Villeruscha schenkte dem neugierigen Publikum Mozarts C-Dur-Sonate KV 320 in vollendeter Weise. Zu einem besonderen Höhepunkt mit sehr unterschiedlichen Reaktionen geriet die Premiere der ersten szenischen Aufführung seit 1814, nämlich Der Stein der Weisen oder die Zauberinsel, eine heroisch-komische Oper in zwei Aufzügen von Emanuel Schikaneder, musikalisch gestaltet von W. A. Mozart, Johann B. Henneberg, Benedikt Schack, Franz X. Gerl und Emanuel Schikaneder. Die Aufführung im Augsburger Stadttheater unter der Leitung von Peter Leonard war vom musikalischen Dramaturgen Thomas Weitzel und dem Regisseur Dominik Wilgenbus mit Eifer und Engagement unter vielen Schwierigkeiten trefflich vorbereitet worden. Die Reaktionen der Presse und der Zuhörer waren allerdings sehr geteilt: War es der ,Stein der Weisen' oder nicht? Eine Antwort zu finden war das Bemühen von Prof. Dr. Konrad in einem zweiteiligen Symposium mit hervorragenden Fachleuten am Diskussionstisch (die Beiträge zu diesem Symposion finden sich in diesem Heft abgedruckt). Was wäre ein Mozartfest in Augsburg ohne musikalisches Programm im Mozarthaus, dem Geburtshaus des Vaters Leopold Mozart? In schönster Weise wurden dieser Aufgabe Helmut Haug und Bernhard Tluck in einem Kammerkonzert mit fünf Werken der "Mannheimer Sonaten" KV 302-304 und 306 gerecht, ferner Gabriele und Bernhard Tluck, Robert Faessler und Helmut Haug mit Kammermusik der Mozartzeit aus dem Augsburger Verlag Lotter als Beitrag der Mozartgemeinde Augsburg. Am 19. Mai folgte im Mozarthaus noch als weitere dankenswerte Zugabe der Augsburger Mozartgemeinde ein Kammerkonzert "Vom Duo zum Quartett" mit Werken aus der Mozartzeit für Streicher-Ensembles. Um eine feinfühlige und qualitätsvolle Interpretation hatten sich Miryam Nothelfer und Senta Kraemer (Violine), Jan Knechtel (Viola) und Rut Nothelfer (Cello) bemüht. Ein weiteres stimmungsvolles Geschenk überbrachte die Sächsische Bläserakademie unter der Leitung von Frank Streuber im Rokokosaal der Regierung von Schwaben mit einer Harmoniemusik zur Zauberflöte und der Serenade c-Moll KV 388. Auch die Musikhochschule Nürnberg-Augsburg unter der musikalischen Leitung von Christian Pyhrr reihte sich gerne und erfolgreich in den Chor der Interpreten ein. Am 10. Mai 2001 kam im ParkTheater des Kurhauses Zaide, eine deutsche Operette von Irene Dische und Hans Magnus Enzensberger mit der Musik von W. A. Mozart zur Aufführung. Auf die Frage, warum man sich für die Fassung Dische/Enzensberger entschieden habe, antwortete Christian Pyhrr: "Mozart hätte seine helle Freude an dem Text gehabt, weil dieser genau so frech ist wie Mozart selbst. Man kann sagen: seine Musik wird im Sinne des Respektlosen weiter gesteigert". Und diese Steigerung erfuhr auch die mitreißend progressive Produktion durch Solisten und Orchester der Hochschule. Studenten der Hochschule schenkten darüberhinaus in einem Konzert im Konzertsaal der Hochschule dem neugierigen Publikum eine frohe, bunte Mozart-Nacht. Für das umfangreiche und vielgestaltige Programm des Festes war vor allem Frau Krista Pfleiderer-Sabrow verantwortlich. "Ziel war es, Person und Werk Mozarts in vielfältiger Weise zur Geltung zu bringen", so umschrieb Frau Pfleiderer ihre Planung. Besonders lag ihr, auch und gerade in Erfüllung der Satzung der DMG, die Präsentation des Nachwuchses am Herzen. Dieser durfte und konnte sich speziell in den Solistenkonzerten hervortun, die Mozart für Horn, Flöte, Oboe, Klarinette, Violine, Viola, Harfe und Klavier geschrieben hatte. Und für diesen beispielhaften Auftritt junger Künstler hatte sich Frau Pfleiderer ebenfalls für den besonders attraktiven Raum des Kurhauses entschieden, in dem im letzten Konzert des Festes das Konzert für 3 Klaviere und Orchester erklang, das Mozart selbst im Jahre 1777 in Augsburg aufgeführt hatte. Nicht vergessen sei, daß das Philharmonische Orchester Augsburg unter GMD Peter Leonard sein Abonnementkonzert an zwei Abenden ebenfalls in den Dienst des Mozartfestes gestellt hatte und zwar - wie schön! - mit Werken der vier Komponisten des Stein der Weisen. Dem interessierten Freund für Leben und Werk Mozarts wurde die Türe aber nicht nur durch Musik geöffnet, sondern auch durch hervorragend ausgewählte Wortbeiträge. Im Rokokosaal der Regierung gab es einen Vortrag mit Lesung und Klavieruntermalung zu dem Buch von Professor Dr. Erich Valentin "Die goldene Spur", Mozart in der Dichtung von Hermann Hesse, gestaltet von Dr. Christian Gries, Wolf Euba und Rudi Spring. Herbert Rosendorfer spendierte eine köstliche Dichterlesung mit musikalischer Umrahmung von Studenten der Hochschule. Am 12. Mai 2001 gab es für Augsburg eine besondere, verlockende Überraschung: in der Teehalle des Hotels "Drei Mohren" trafen sich alle Mozartfreunde zu einer Amadeus- Tafelrunde, zu einem Galadinner mit Mozartscher Musik und frohen Worten von Dr. Roland Würtz, als kostbarer Beitrag auch zur Geselligkeit dargereicht von der Mozart-Gesellschaft Kurpfalz, der Mozartgemeinde Koblenz/Mittelrhein und der Mozartgemeinde Augsburg. Für das Auge war eine Ausstellung in der Stadtsparkasse Augsburg vorbereitet worden. Ausgestellt waren 24 Tafeln mit vielen reproduzierten Handschriften Mozarts als Beispiele einer Komponistenwerkstatt, Musikinstrumente, frühe Mozartdrucke und in einer besonderen Vitrine das eben fertiggestellte Faksimile von Mozarts Klaviervariationen über "Ah, vous dirai-je, Maman" KV 265. Den Einführungsvortrag hielt wiederum Prof. Dr. Ulrich Konrad, der mit dieser Ausstellung den Besucher vor allem darauf hinweisen wollte, daß auch Mozart sich um seine Werke mühen mußte, daß die Musik ihm nicht einfach und immer zugeflogen sei, so daß er sie nur aus dem Kopf auf das Notenpapier zu übertragen hatte. Nach diesem, auch von den Medien bestätigten, rundum gelungenen Fest stellt sich schon jetzt die Frage: Wird der DMG noch eine Steigerung beim nächsten Deutschen Mozartfest gelingen, gar beim Jubliäumsfest 2006, bei dem der Geburt von Wolfgang Amadeus Mozart vor 250 Jahren gedacht werden wird? Dr. Walter Weidmann
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