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51. Deutsches Mozartfest 2002 in Bad Arolsen
Auch wenn manche "Mozartianer" den Namen der kleinen nordhessisschen Barock-Residenz bis dahin noch nicht gehört hatten und darin mit ihrem Namensgeber sicherlich wissensgleich waren - wer sich zwischen dem 24. Mai und dem 2. Juni 2002 in den ehemaligen Regierungssitz der Fürsten zu Waldeck und Pyrmont aufmachte, um das 51. Deutsche Mozartfest in dessen stilvollem Rahmen zu erleben, sollte nicht enttäuscht werden. Ja, für viele dürfte die Begegnung mit dem Flair dieses Ortes, dem kulturellen Engagement seiner Bewohner und dem künstlerischen Anspruch des Festivals ein begeisterndes Erlebnis geworden sein. Das Mozartfest 2002 war mit den örtlichen, zum 17. Mal durchgeführten "Arolser Barock-Festspielen" verbunden worden, da diese Festspiele, die in jedem Jahr ein wechselnde europäische Musiklandschaft zum Thema haben, für dieses Mal die "Musiklandschaft Tschechien" und insbesondere die Rolle Prags in den Mittelpunkt gestellt hatten, womit sich eine Brücke zu Mozart und seiner Beziehung zu Prag anbot. Geradezu exemplarisch zeigte sich diese Konstellation , wenn an einem Abend vom tschechischen Barockorchester Collegium 1704 die "Musik der Krönungsfeierlichkeiten für Kaiser Karl VI. - Prag 1723" und am darauffolgenden Tage , sozusagen als musikgeschichtliche Fortführung, Mozarts in Prag uraufgeführter "Don Giovanni" in Kooperation mit dem Goethe-Theater Bad Lauchstädt präsentiert wurden, beide Aufführungen übrigens auf exzellentem Niveau. In diesem Kontext durfte natürlich eine Rezitation von Mörikes Novelle "Mozart auf der Reise nach Prag" nicht fehlen, die der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz außerordentlich dezent und mit tiefem Gefühl für die Musikalität des Stoffes und der Sprache gestaltete. Charakteristisch für die Bad Arolser Festspiele ist die Konzentration der um das Barockschloss herum gelagerten, in kurzen Fußwegen erreichbaren historischen Spielstätten, die insgesamt ein festliches Ambiente darstellen, das den Besucher ästhetisch beeindruckt. Im Gartensaal des Schlosses selbst veranstaltete der Hessische Rundfunk ein Konzert mit Heidrun Holtmann, Klavier, und dem Concertino Münschen. Er war aber auch eine der Spielstätten des "Mozartfestes für die ganze Familie" und nicht zuletzt Ort der Begegnung zwischen Künstlern, Organisatoren und Besuchern bei einem der traditionellen spätabendlichen Empfänge, die die im überschaubaren Arolsen so charakterische persönliche Note betonen. Im Festspielhaus "Fürstliche Reitbahn", dem Ort größerer Veranstaltungen, erlebte man u.a. das Eröffnungskonzert unter dem Motto "Mozart und Prag" mit dem unter Pavel Prantl sehr musikantisch aufspielenden Kammerorchester der Tschechischen Philharmonie und Monika Frimmer, Sopran, sowie Kevin Kenner, Klavier. Schwerpunkte dieses Konzerts waren die selten zu hörenden Arien für Sopran, Klavier und Orchester KV 504 und 505 sowie das Klavierkonzert A-Dur KV 488. Auch das Consortium Classicum mit Dieter Klöcker als Leiter und Klarinettisten fand in diesem Saal ein begeistertes Publikum mit Werken von Mozart, Zelenka, Duschek und Beethoven, ebenso wie die "Hannoversche Hofkapelle" mit ihrem Programm "Goldenes Prag - goldenes Böhmen", das Sinfonien und Solokonzerte von Benda, Stamitz, Gyrowetz, Dusek und Mozart umfaßte. In der Stadtkirche beeindruckte der künstlerische Leiter der Barock-Festspiele, Rainer W. Böttcher, als Dirigent von Petr Ebens "Prager Te Deum" sowie Mozarts Te Deum KV 141, dem Regina Coeli und den Arien des Eröffnungskonzerts in geistlichen Parodien. Solisten: Monika Frimmer und Dieter Klöcker. Es spielte das Kammerorchester der Tschechischen Philharmonie. Zum Konzept der Doppel-Festspiele des 2002 gehörte die intensive Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen als Mitwirkende und aktive Zuhörer, denn, so betonte Friedhelm Brusniak als Präsident der DMG in einem Presseinterview, kein Komponist verbinde sich mehr mit der Vorstellung von Jugendlichkeit und Jung-Sein als Mozart. So war schon im Vorfeld, betreut von Studierenden der Universität Würzburg, ein Plakatwettbewerb für Kinder ausgeschrieben worden, der auch überregionale Resonanz fand und in einer Ausstellung dokumentiert wurde. Darüber hinaus gab es "Mozart von Kindern für Kinder", eine Matinee der Jüngsten mit Preisträgern des Prager Concertino-Wettbewerbs, ein Konzert "Arolser Jugend musiziert" und schließlich als Abschluss des gesamten Festivals ein ganztägiges "Mozartfest für die ganze Familie", federführend gestaltet von der Musikhochschule Detmold. Hier traf experimenteller Umgang ("Mozart-Mix - eine musikpädagogische Präsentation) auf ein interaktives Familienkonzert, in dem Kinder Tanzformen aus der "Gran Partita" einstudierten. All das mündete schließlich in eine außerordentlich kurzweilige und abwechslungsreiche "Große Nachtmusik" als Wandelkonzert mit fünf Spielstätten, über fünf Stunden Dauer und einem reichhaltigen Angebot für Augen, Ohren und Gaumen. Zum ganzheitlichen Konzept der Arolser Barock-Festspiele wie des Deutschen Mozartfestes gehört die Bewußmachung der Rahmenbedingungen, unter denen Musik sich z.B. in höfischer Zeit entfalten konnte. So führten in Bad Arolsen historische Stadtführungen hin zu den Lebensbedingungen des 18. Jahrhunderts, und eine Exkursion Friedhelm Brusniaks ging auf "Mozart-Spurensuche in Waldeck", dem Namen des kleinen Fürstentums. Nun hat der Komponist diesen Raum zwar nie besucht, aber es haben hier Menschen gelebt, deren Wirken mit Mozarts Kunst verknüpft war, so etwa Julia Mark, die als Schülerin und Traumbild des Mozartverehrers E.T.A. Hoffmann entsprechende Informationen nach Arolsen brachte, desgleichen der Dichter Heinrich Stieglitz, der das Gedicht "Mozarts Gedächtnißfeier" verfasste, oder der Dirigent Fritz Busch, der als führender Mozartinterpret der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Arolsen begraben liegt. Und schließlich besuchte man das Geburtshaus der Schriftstellerin Christine Brückner, in deren Werk der Komponist ebenfalls Spuren hinterlassen hat. Eingeschlossen in diese Ortsbesichtigungen waren literarische und musikalische Beiträge mit den entsprechenden Bezügen. Der Aufarbeitung von Aspekten der Festspiele diente schließlich die zweitägige musikwissenschaftliche Tagung zum Thema "Mozart und Prag" unter der Leitung der Professoren Friedhelm Brusniak¸ Ulrich Konrad und Klaus-Peter Koch, deren Ergebnisse in der Reihe "Arolser Beiträge zur Musikforschung" (Studio Verlag) publiziert werden. Horst Schwarze
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