53. Deutsches Mozartfest 2004 in Augsburg


Unter dem Motto Dreiklang Mozart – Leopold, Wolfgang Amadé, Franz Xaver fand vom 12. bis 16. Mai in Augsburg das 53. Deutsche Mozartfest der Deutschen Mozartgesellschaft statt. Obgleich in seiner zeitlichen Begrenzung auf fünf Tage ein „kleines Mozartfest“, das auf das große Ereignis des 250. Geburtstages Mozarts im Jahre 2006 hinführen sollte, fanden die Veranstaltungen dank eines eigenständigen Profils und herausragender mitwirkender Künstler und Ensembles beim Publikum und in den Medien großen Zuspruch. Am Vorabend des Mozartfestes untersuchte der Tübinger Musikwissenschaftler und Mozartforscher Prof. Dr. Manfred Hermann Schmid in einem Vortrag mit dem Thema „Voraussetzungen für ein Genie. Mozart und seine Vorbilder“ die Bedingungen, unter denen das Genie Mozart zur Entfaltung kommen konnte. Neben der Darlegung der engen Symbiose zwischen Vater Leopold und Sohn beim Komponieren beeindruckten vor allem die Ausführungen, wie W. A. Mozart mit seiner unerschöpflichen Kreativität die Musik seiner Zeit aufgenommen, sich assimiliert und in neuer eigenständiger Gestaltung in seinen Werken wiedergegeben hat. Durch Einbeziehung nationaler Stile, des französischen, des italienischen und des englischen hat Mozart nach Darlegungen von Prof. Schmid eine europäische Musiksprache geschaffen.


Bei der offiziellen Eröffnung des Mozartfestes im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses konnte der Präsident der Deutschen Mozart-Gesellschaft, Dr. Dirk Hewig, unter den zahlreichen Ehrengästen als Schirmherrn den Bayerischen Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Dr. Thomas Goppel, den Augsburger Oberbürgermeister Dr. Paul Wengert und den Präsidenten der Internationalen Stiftung Mozarteum, Dr. Friedrich Gehmacher, begrüßen. Dr. Hewig hob das Wirken der Deutschen Mozart- Gesellschaft und der regionalen Mozartvereinigungen für die Mozartpflege und die besondere Tradition der Mozartfeste hervor. In Grußworten des Staatsministers, des Oberbürgermeisters und des Präsidenten der Internationalen Stiftung Mozarteum wurde auf die Wurzeln der Familie Mozart in Augsburg und gleichzeitig auf den europäischen Charakter der Person und der Musiksprache W. A. Mozarts hingewiesen und diese in den Zusammenhang mit der kürzlich erfolgten Erweiterung der EU gestellt.


Beim Eröffnungskonzert, das vom Bayerischen Rundfunk aufgezeichnet wurde, spielte das L’Orfeo Barockorchester unter Michi Gaigg Leopold Mozarts Jagdsinfonie und als Höhepunkt die g-moll Sinfonie KV 550 von W.A. Mozart. Großen Beifall fand das von Christoph Hammer auf dem Nachbau eines Brodmann-Hammerklaviers gespielte Grand Concerto Es-Dur für Klavier und Orchester von Franz Xaver Mozart, ein virtuoses Werk, das sowohl die Verwurzelung des Mozartsohnes in der Tradition wie auch dessen Ausgreifen in eine neue Zeit aufzeigt.


Großen Anklang fanden die Atelierkonzerte im Rokokosaal. Unter dem Thema „Mozart und das Klavier“ und „Mozart und die Violine“ erläuterte der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Siegfried Mauser Entstehung und Wandlung der unterschiedlichen Musikgattungen und den Einfluß der Mozartfamilie, insbesondere von Wolfgang Amadé auf deren Gestaltung. Prof. Mauser und der Geiger Prof. Schneider stellten in eindrucksvollen Interpretationen Werke von Vater, Sohn und Enkel vor.

Zeitgenössische Musik primär amerikanischer Komponisten, die sich in ihren Werken auf Mozart beziehen, kam in einem weiteren Atelierkonzert zur Aufführung, wobei die Avantgarde teilweise mit Auftragskompositionen vertreten war. Trotz des nächtlichen Termins fand dieses Konzert großen Zuspruch beim Publikum.

Die Violine stand im Mittelpunkt eines Gesprächskonzerts, in dem Prof. Bernhard Tluck Leopold Mozarts Versuch einer gründlichen Violinschule, die 1756 in Augsburg im Druck erschien, in ansprechender und lebendiger Form vorstellte. Er erläuterte, wie sich die Violine und ihr Klang vom Barock bis zur Gegenwart gewandelt haben. Gemeinsam mit Helmut Haug (Hammerklavier) spielte er zur Illustration Werke von Tartini, Nardini, Leopold Mozart und Beethoven.

Die Kirchenmusik Mozarts stand im Mittelpunkt eines Kirchenkonzerts in der Ev.-Hl.-Kreuz-Kirche. Das L’Orfeo Barockorchester musizierte mit großer Spielfreude neben zwei Haydn-Sinfonien und Mozarts G-Dur Kirchensonate KV 274 eine Motette von Johann Christian Bach und Mozarts „Exsultate, jubilate“ mit dem Sopranisten Jörg Waschinski, ein Ereignis, das das Publikum zu stehenden Ovationen hinriß. Am Sonntag morgen erlebte dann im Rahmen eines feierlichen Pontifikalamtes Mozarts Krönungsmesse mit dem Augsburger Musica Suevica-Chor unter der Leitung von Franz Wallisch eine glanzvolle Aufführung, wobei wegen des großen Andrangs ein Teil der Kirchenbesucher die Messe stehend verfolgen
mußte.

Das Thema „Mozart und die Jugend“ ist ein Schwerpunkt nahezu aller Mozartfeste der Deutschen Mozart-Gesellschaft. Ute Wedig, in der Hinführung von Kindern zu Mozart und seiner Musik erfahren, widmete sich dieser Aufgabe in der Veranstaltung „Wenn der Vater mit dem Sohne“ im Rokokosaal. In Anwesenheit des früheren Präsidenten der Deutschen Mozart-Gesellschaft und Würzburger Lehrstuhlinhabers für Musikpädagogik, Prof. Dr. Brusniak, wirkten Schüler der 1.-5. Grundschulklassen singend und tanzend mit Begeisterung und großer Spontaneität mit. Diese Veranstaltung, die einen großen Andrang verzeichnete und die den Kindern Vater Leopold und Sohn Wolfgang Amadé in spielerischer Form nahe brachte, könnte Vorbild für entsprechende Veranstaltungen an anderen Orten sein.


Das 53. Deutsche Mozartfest fand am Sonntag, den 16. Mai im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses mit dem Prager Originalklangensemble Musica Florea unter Leitung von Marek Stryncl mit Werken von Wolfgang Amadé Mozart und dem Tschechischen Komponisten Jan Vaclav Vor¡ís¡ek einen glanzvollen Abschluß. – Mit 13 Veranstaltungen (die hier nicht alle aufgeführt werden konnten), die eine sehr gute Resonanz fanden, mit der eindrucksvollen Vorstellung von Vater Leopold und Sohn Franz Xaver hat es dem Bild von Wolfgang Amadé bedeutsame und reizvolle neue Facetten hinzugefügt. Mit seinem außergewöhnlichen Profil reiht es sich würdig in die seit 1951 durchgeführten Mozartfeste der Deutschen Mozart-Gesellschaft ein.