56. Deutsches Mozartfest 2007 in Mannheim


(23. November bis 5. Dezember)

Es wollte keines der zahlreichen Elite-Events sein, hatte keinen Tenor, wenn nicht die angestrebte Vielseitigkeit ein solcher ist. Über dreißig Veranstaltungen boten Kindern (Dr. Roland Würtz), Älteren, Jazz-Freunden (Blue Note Jazz-Company) und der POP-Jugend (1. Deutsche POP-Akademie) ihren Mozart. Kopflastiges wie Vorträge über die Aussprache des Italienischen in der Mozartzeit (Prof. Vera Scherr), über J.W. Stamitz, den Begründer der Mannheimer Schule zu seinem 250. Todestag (Dr. Bärbel Pelker), und Bauchlastiges wie das Diner aus „Mutter Mozarts Salzburger Kochbuch“ steckten die Bandbreite ab. – Die wichtigsten „Tatorte“ waren natürlich das Kurfürstliche Schloss, die Schlosskirche als Mozarts Hofkirche, die glänzend restaurierte und neu vergoldete Jesuitenkirche, das Nationaltheater (Figaro, Don Giovanni) und das Barocktheater Schwetzingen, die ehemals kurpfälzische Sommerresidenz, aber auch die Städt. Musikschule mit ihrem intimen neobarocken Saal und immer wieder die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, die ihr eigenes Festival „Mozart, der Europäer“ dankenswerterweise in unser Fest einband. Dabei konzertierten und lehrten in den begleitenden Meisterkursen Professoren der europäischen Mozartstädte Mailand, München, Paris, Prag, Salzburg, Wien und natürlich Mannheim. Die Neue Musik war vertreten mit Musik über Mozart durch das Ensemble „Incontro“ und die drei Orgeln der Christuskirche mit dem gesamten Orgel-Mozart (KMD J. Michel). Eine echte Neuentdeckung war die Mannheimer Erstaufführung des eigens für Mannheim zu schreiben begonnenen Doppelkonzertes KV 315 f in drei Sätzen! Entdeckt wurden auch Werke von Salieri, Hummel, Süßmayr u.a. und der faszinierende türkische Pianist Fazil Say, zusammen mit dem Mannheimer Mozartorchester unter Thomas Fey. Den orchestralen Hauptteil des Gesamtprogramms trug aber das virtuose Kurpfälzische Kammerorchester unter Wolfram Christ. – Unter den Besuchern, die schon bei der Eröffnungsveranstaltung der Rede unseres Präsidenten Dr. Jörg Riedlbauer und der Festrede von Dr. Volkmar Braunbehrens lauschten, waren Delegationen aus Salzburg (Dr. Friedrich Gehmacher und Dipl.-Vwt. Wolfgang Schurich), aus Nürnberg, München, Mainz, Schwetzingen, Düsseldorf, später auch aus Hamburg, Wien und Zürich. Die Züricher kamen als aktive Künstler nach Mannheim mit der Pianistin Daniela Van Limburg-Stirum, die sich von der Geigerin Sylvia Würtz zu hinreißendem Spiel in Mozarts Doppelkonzert anregen ließ, dirigiert von Ladislaus Rybach. Mit dem Requiem an Mozarts Todestag, mit der grandiosen Missa Solemnis von J.W.Stamitz klang das äußerst lebendige 56. Deutsche Mozartfest aus.

Dr. Roland Würtz
Vorsitzender der Mozart-Gesellschaft Kurpfalz