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Kirchheimbolanden an den Europäischen Mozart-Wegen
Kirchheimbolanden,
die kleine nordpfälzische Kreisstadt vorm Donnersberg, an der
alten Kaiserstraße gelegen, die Napoleon von Paris bis nach
Mainz baute, hat sich bis in die Gegenwart Teile der
mittelalterlichen Befestigungsanlagen und wertvolle barocke
Bausubstanz bewahrt. Alljährlich wiederkehrende Feste und
regelmäßige Veranstaltungen laden zum Mitfeiern und
Genießen ein: die
Märkte, darunter besonders das Residenzfest am 2.
Wochenende im August, wenn die historischen Innenhöfe geöffnet
sind, in denen die Winzer der Region ihren Rebensaft ausschenken und
Vereine Spezialitäten anbieten der
Christkindlmarkt um den 2. Adventsonntag der
Orgelsommer in der Paulskirche mit der berühmten
Stummorgel zwischen Mai und Oktober Sogar
Wolfgang Amadé Mozart war Kirchheimbolanden eine Reise wert.
Und das kam so: Mozart
verlässt am 23.09.1777 in Begleitung seiner Mutter Salzburg mit
dem Ziel Paris. Stationen der Reise sind u.a. Augsburg und München,
bis man schließlich am 30.10. in Mannheim eintrifft. Von hier
aus erfolgt im Januar 1778 die Fahrt nach Kirchheimbolanden, auf
Einladung der Fürstin Caroline von Nassau-Weilburg, eine
gebürtigen Oranierprinzessin. Sie hatte 1760 den Fürsten
Carl Christian von Nassau-Weilburg geheiratet. 1769 nahm das
Paar seinen ständigen Wohnsitz in Kirchheimbolanden. Die
Bekanntschaft der Familie Mozart mit Caroline geht zurück auf
die Jahre 1765/1766 im Rahmen der großen Europareise
(09.06.1763 bis 29.11.1766). Damals rettete in Holland der Leibarzt
der Fürstin, Professor Schwenke, den beiden an
Bauchtyphus erkrankten Mozartkindern das Leben. Mozart
kommt am Freitag, dem 23.01.1778 nach Kirchheimbolanden. Er bringt
seine Mannheimer Jugendliebe Aloysia und deren Vater Fridolin
Weber mit. Ihre Unterkunft nehmen sie – mit großer
Wahrscheinlichkeit – im Gasthof Zum Schwarzen Adler (später
in Alte Post umbenannt und 1973 abgerissen). Am Donnerstag,
dem 29.01.1778 endet der Besuch. Man kehrt über Worms nach
Mannheim zurück.
W.A.Mozart
hat in seinem Brief vom 04.02.1778 über seine Erlebnisse in
Kirchheimbolanden berichtet. Daraus geht hervor, dass er insgesamt 12
x im Schloss und einmal auf der berühmten Stummorgel aus dem
Jahre 1745 in der Paulskirche musiziert hat. Das Instrument heißt
offiziell seit 1943 Mozartorgel; dadurch blieb sie vor
Zerstörung bewahrt! Aloysia
Weber sang 13 x und spielte 2 x Klavier am Hof. Zu ihrem
Repertoire gehörten die de Amicis-Arien, laut Brief
Mozarts vom 17.01.1778. Er selbst wartete der Fürstin außerdem
mit 4 Sinfonien auf. 1956
wurde hier durch die Mozartforscher Dr. Hanns Dennerlein
(Bamberg), Johannes Pröger (Kirchheimbolanden), sowie
Prögers Schüler Wolfgang Bauer bewiesen, dass es
wesentlich mehr Mozart-Orgelwerke gibt als bis dato verzeichnet.
Neben
dem Brief des jungen Mozart an den Vater vom 04.02.1778 informiert
die Mutter ihren Mann in Salzburg über die Kirchheimbolander
Reise (24.01. und 01.02.1778). Auf diese Nachrichten reagiert Leopold
Mozart verärgert, bewertet er doch den Aufenthalt am kleinen
Fürstenhof als nutzlos und fatal (Briefe vom 26.01.,
12.02. und 27.08.1778). Die Reise nach Kirchheimbolanden war eine
vacans-reise (04.02.1778), die ursprünglich nicht in den
Planungen der Mozarts stand.
Alle
Konzerte fanden – mit Ausnahme des Orgelbeitrages – im Schloss
statt. In der
lutherischen Kirche wird Mozart nach damaligem Usus (vgl.
17809 in der Thomaskirche zu Leipzig) wohl improvisiert haben. Von der
historischen hufeisenförmigen Schlossanlage mussten nach der
Beschlagnahme durch die Besatzungstruppen der französischen
Revolutionsheere (1793 – 1804) zwei Flügel abgerissen werden.
Der verbliebene Teil fiel 1861 einem Brand zum Opfer. Er konnte
jedoch neu errichtet werden, unter Verwendung alter Bauteile. Seit
dem Jahre 1994 dient das Schloss in der Kleinen Residenz,
wieder zu einem U ergänzt, als Seniorenheim. Besitzer des
Anwesens ist ein Privatmann. Original
erhalten aus dem 18. Jh. sind zwei geschmiedete Barocktore, die die
Fürsten hier schöner und reicher hatten ausschmücken
lassen als die in ihrer Großen Residenz zu Weilburg. Beide
konnten, dank intensiver Bemühungen des Förderkreises
Schlossgarten e.V., restauriert und an ihren vorherigen Plätzen
2002 und 2004 wieder errichtet werden.
Mozart
spricht in seinem Brief vom Gottesdienstbesuch in der katholischen
Kirche, der heutigen Liebfrauenkirche, am Sonntag, dem
25.01. Diese dient derzeit nach einer sehr wechselvollen Geschichte,
als Schützenhaus.
Während
seines Aufenthaltes in Kirchheimbolanden im Januar 1778 wurde Mozart
22 Jahre alt. Erwähnt ist das zwar nirgendwo: zur damaligen Zeit
feierte man eher Namenstage als Geburtstage. Aber aus dem Grund plant
die Stadt um den 27. Januar 2006 ein festliches Kammerkonzert mit
Mozartwerken.
Wolfgang
Bauer
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