Mozart in Schwetzingen


Schwetzingen, südlich von Heidelberg und Mannheim gelegen, wird 766 erstmals urkundlich im Lorscher Codex erwähnt. Reichhaltige frühgeschichtliche Funde auf Schwetzinger Gemarkung und Rückschlüsse aus der Geschichte des gesamten Rhein-Neckar-Raumes weisen auf eine urgeschichtliche Besiedlung ab dem 6./7. Jahrtausend v.Chr. hin. Ab 50 n.Chr. römische Besitzergreifung des Landes und ab 200 n.Chr. alemannisch-fränkisches Siedlungsgebiet. 782 schenkt Karl der Große dem Kloster Lorsch Güter von Suezzingen. In der Folgezeit werden die Bischöfe von Worms, die Zisterzienser des Klosters Schönau und das Kloster Maulbronn als Grundbesitzer mit entsprechenden Rechten aufgeführt. Pfalzgräflicher Besitz wird 1288 erstmals erwähnt und laufend erweitert. 1350 wird die "Veste Schwetzingen", "des Pfalzgrafen offen Haus", dokumentiert, damals eine Burganlage mit Bergfried auf einer Leimbachinsel. Erst 1427 geht die Burganlage, ab sofort "Schloss" genannt, vollständig in pfalzgräflichen Besitz über und diente von nun an dem Heidelberger Hof als Jagdschloss. Das Schicksal von Ort und Schloss sind eng mit einander verbunden, Zerstörung und Wiederaufbau müssen gemeinsam gemeistert werden. Im pfälzisch-orleanischen Erbfolgekrieg werden Schloss und Ort wie die gesamte Pfalz niedergebrannt.

Es wird umgehend mit dem Wiederaufbau begonnen, der bis 1701 vorläufig beendet wurde. Mit dem Regierungsantritt Carl Philipps wurde Schwetzingen 1719 mit der Verlegung des Hofes von Heidelberg nach Mannheim zur ständigen Sommerresidenz der Kurfürsten der Pfalz erhoben. Damit rückt Schwetzingen in den Mittelpunkt der pfälzischen Lande und erlebt schließlich ab 1742 unter der Regentschaft von Kurfürst Carl Theodor eine goldene Zeit. Mit Carl Theodors Amtsübernahme erfolgte der Ausbau der Straßen, die Erweiterung des Schlosses mit Zirkelbauten und die Planung der "Neustadt" nach Plänen von Bibiena. 1759 erhielt Schwetzingen das Marktrecht. Mit dem Tod von Maximilian III. Joseph von Bayern 1777 fiel Carl Theodor die Kurwürde von Pfalz-Bayern zu. Die Verlegung der Residenz von Mannheim nach München 1778 beendete die Glanzzeit der kleinen Residenzstadt und Schwetzingen verliert an Bedeutung.

Das Jahr 1803 (Reichsdeputationshauptschluss) bedeutete das Ende der Kurpfalz, die rechtsrheinischen Gebiete werden dem Großherzogtum Baden zugeteilt – Schwetzingen war badisch geworden. 1833 wird das Stadtrecht verliehen, 1993 der Status "Große Kreisstadt" erteilt.


Wolfgang Amadeus Mozart hat Schwetzingen dreimal besucht. Seine beiden ersten Aufenthalte fallen in die musikalische Blütezeit des Kurpfälzischen Hofes während der Regierungszeit Carl Theodors (Mannheimer Schule). Den Sommer über weilte der Hof mit dem Kurfürstenpaar Carl Theodor und Elisabeth Auguste in der Sommerresidenz, und die Hofkapelle hatte Residenzpflicht in Schwetzingen. Die Musiker waren privat untergebracht, Kostgeld und Logis wurden aus der Hofkasse bezahlt. Für die Jahre 1758 und 1762 sind Quartierlisten überliefert. Neben anderen Zeitzeugen beschreibt der Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart die Atmosphäre, wie sie von den Mozarts angetroffen wird, und den kurfürstlichen Alltag in der Sommerresidenz: "Der Churfürst von der Pfalz lebt in seinem Paradiese Schwezingen im Schooße seiner getreuen Unterthanen so vergnügt als es Fürsten seyn können, denen ihr Gewissen sagt, dass sie ihrer erhabenen Bestimmung gemäß leben. ... und alle Abend Musik im Badhause, oder Concert, oder Oper....".


1. Aufenthalt: 14. (?) bis 29.(?) Juli 1763

Im Rahmen der großen Wunderkindreise kommt der 7jährige Mozart mit seiner 12jährigen Schwester Nannerl und seinem Vater Leopold nach Schwetzingen. Die Mozarts wohnen in Schwetzingen im Gasthof "Zum Roten Haus" in der Speyerer Straße, heute Dreikönigsstraße 6. Leopold Mozart hatte die Reise sorgfältig vorbereitet und mehrere handschriftliche Referenzen im Reisegepäck, daneben erfolgte ein persönliches Avis an die Kurfürstin Elisabeth Augusta durch ihren Schwager , den Pfalzgrafen Friedrich Michael von Zweibrücken.

Zu Ehren der Familie Mozart findet am 18. Juli 1763 eine Musikalische Akademie im Schloss statt. Aus Salzburg sei ein Musicus mit 2 Wunderkindern angekommen. Für die Akademie wurde angekündigt:: "Der Knabe wird das Manual oder die Tastatur mit einem Tuch verdecken und auf dem Tuch so gut spielen, als ob er die Klaviatur vor Augen hätte. Er wird ferner in der Entfernung alle Töne, die man einzeln oder in Akkorden auf dem Klavier oder auf allen nur erdenklichen Instrumenten, Glocken, Gläsern usw. anzugeben im Stande ist, genauestens benennen; und zu guterletzt konnte ihm das Publikum Töne oder auch schwerste Tonfolgen angeben, nach denen er dann, solange man zuhören wollte, auf dem Klavier fantasierte. "

So musizierten und brillierten die beiden Kinder vor dem Hof, beide in Galakleidern, Geschenke der Kaiserin Maria Theresia. Leopold Mozart berichtet nach Hause an seinen Freund Hagenauer:

"...gestern ward eigens Accademie wegen uns anbefohlen. Dieß ist erst die zweyte Accademie die seit dem May hier gehalten worden. Sie dauerte von 5 uhr abends bis nachts 9 uhr. Ich hatte das Vergnügen nebst guten Sängern und Sängerinnen einen bewunderungswürdigen Flutotraversisten Mr. Wendling zu hören, und das orchester ist ohne widerspruch das beste in Teutschland, und lauter junge Leute, und durchaus Leute von guter Lebensart, weder Säufer, weder Spieler, weder liederliche Lumpen; so, dass so wohl ihre Conduite als ihre production hochzuschätzen ist. Meine Kinder haben ganz Schwetzingen in Bewegung gesetztet: und die Churf:Herrschaften hatten ein unbeschreiblich vergnügen, und alles geriet in verwunderung. ..."

Leopold Mozart: Brief an Lorenz Hagenauer vom 19. Juli 1763 aus Schwetzingen

Leider sind von den musikalischen Akademien keine Programmzettel überliefert. Auf Grund neuer Erkenntnisse können wir davon ausgehen, dass diese musikalischen Veranstaltungen – wie auch das Vorspiel der Kinder Mozart - im Südlichen Zirkel im Tanzsaal, damals "Salle de jeu" stattgefunden haben. Überhaupt fand das gesamte gesellschaftliche Leben in den Zirkelsälen statt. Laut Inventarliste von 1759 war der Spiel-Saal mit Kronleuchtern aus böhmischen Glas, 10 Spieltischen, 6 normalen kleinen Tischen und 45 Stühlen, Parkettfußboden und einem grünen Teppich ausgestattet. Die erlauchte Hofgesellschaft unterhielt sich bei einer Tasse Schokolade oder Tee, spielte und ergötzte sich an der Musik. Dieser Saal wird 2006 in Mozart-Saal umbenannt werden.

In Schwetzingen kommen die Mozarts erstmals mit Mitgliedern der exzellenten Mannheimer Hofkapelle in Berührung. Sowohl Leopold wie auch Nannerl notieren in ihren Reisenotizen Namen von bedeutenden Musikern, die sie in Schwetzingen getroffen haben und mit denen sich Wolfgang bei seinem Mannheimer Aufenthalt 1777/78 anfreunden wird:

Johann Georg Danner , Geiger und Kammervirtuose und seine Frau Maria Theresia,

Johann Baptist Wendling, Flötist und seine Frau Dorothea geb. Spurni, Sopranistin

und sein Bruder Franz Anton Wendling. Violinist

Pietro Sarselli, Tenor und seine Tochter Elisabeth Auguste

Giovanni Battista Maria Toeschi, Violinist und Ballettdirektor und sein Bruder

Carlo Guiseppe Toeschi, Violinist und Kammermusikdirektor und seine Frau Susanne, Hofsängerin

Johann Michael Ignaz Ritschel, Violinist und Vizekapellmeister

Excellenz Krieger, Hofbeamter

Ignaz Fränzl, Konzertmeister und Violinvirtuose

Georg Wenzel Ritter, Fagottist

Karl Freiherr von Eberstein, Musikintendant

Johann Michael Quallenberg, Klarinettist und seine Frau Elisabeth Barbara, die Mozart 1787 auf der Reise nach Prag und 1790 in Frankfurt/Main trifft.

Christian Cannabich, Geiger und Konzertmeister und seine Frau Elisabeth


2. Aufenthalt : 29. Oktober 1777

Mozart und seine Mutter Anna Maria kommen am 29. Oktober 1777 auf der Reise von Hohenaltheim nach Mannheim durch Schwetzingen. Der Mannheimer Aufenthalt von Wolfgang und seiner Mutter wird bis zum 14. März 1778 andauern.


3. Aufenthalt: 24. Oktober 1790

Auf der Rückreise von der Krönung Leopolds II zum Deutschen Kaiser in Frankfurt besucht Mozart ein letztes Mal die Kurpfalz. Bevor er am 24. Oktober abends die erste deutsche Aufführung seines "Figaro" in Mannheim dirigiert, macht er nachmittags einen Ausflug nach Schwetzingen, um den Schlossgarten zu besichtigen.

"... Morgen gehen wir nach Schwetzingen um den Garten zu sehen – Abends ist hier zum ersten Mal Figaro . dann übermorgen fahren wir fort. Eben Figaro ist die Ursache warum ich noch hier bin – denn das ganze Personal beschwor mich so lange hier zu bleiben und ihnen bey der Probe beyzustehen, eben das ist auch die ursache warum ich Dir nicht so viel schreiben kann als ich schriebe, weil es eben zur Zeit Hauptprobe ist –..."

Wolfgang: Brief an Constanze vom 23. Oktober 1790 aus Mannheim


Authentische Mozartstätten in Schwetzingen:

Das Rothe Haus

Leopold Mozart und seine beiden Kinder wohnen 1763 im "Roth Haus" Speyererstraße 296, heute Dreikönigsstraße 6. In der damaligen Zeit ist Johann Philipp Dörnberger Gastwirt, von Leopold Mozart als "Calvinist" tituliert. Seit 1717 Kranzwirtschaft, ab 1880 auch Bierbrauerei und 1921 als Gasthof aus baupolizeilichen Gründen geschlossen. Nachfolger wird die Malzfabrik Rotzler. Zu Beginn der 90er Jahre Aufteilung in Einzeleigentum, die Renovierung ist 1993 abgeschlossen. Heute befindet sich im Parterre ein italienisches Restaurant, die "Piccola Serenata" – eine Hommage an Mozart.


Vater Leopold berichtet über das Logis:

"... wir sind nun wirklich immer in orten, wo 4 Religionen sind. nämlich Catholisch, Lutherisch, Calvinisch, und Juden. Schwetzingen ist ausser der Menge der Hofleute meist calvinisch; Es ist nur ein Dorf, hat 3 Kirchen, eine Catholische, eine Lutherische, und Calvinische: und so ist es durch die ganze Pfalz." Er merkt kritisch an, dass man in den Schlafgemächern zwar "Landschaften oder das Portrait eines alten Kaysers", selten aber ein Kruzifix finde. Weiter: Ganz zu schweigen von den "fastenspeisen" ... "sie machen solche auch sehr schlecht denn alles frisst fleisch; und wer weis, was sie uns gegeben haben. Basta! wir haben keine Schuld! unser gastgeb hier (ist) ein Calvinist."

Leopold Mozart: Brief an Lorenz Hagenauer vom 19. Juli 1763 aus Schwetzingen


Das Schloss: der Tanzsaal, das Schlosstheater (Comoedienhaus), die Schlosskapelle und der Schlossgarten nebst Sternallee

Tanzsaal im Schloss


Der Familie Mozart werden die obengenannten Sehenswürdigkeiten des Schwetzinger Schlosses nebst Garten gezeigt. Sowohl im Tagebuch von Leopold wie auch in den Reisenotizen von Nannerl werden diese Besonderheiten festgehalten:


Das Schwetzinger Schloss – Anfang des 18. Jhdt in eine barocke Dreiflügelanlage gestaltet – wird von einem Jagdschloss zur Sommerresidenz umgebaut. Carl Theodor beauftragt namhafte Baumeister mit der Umgestaltung der gesamten Anlage nach französischem Vorbild. Eine Anzahl von Entwürfen liegt vor, für einen Neubau ist das Geld nicht mehr aufzubringen. Pigage arrangierte geringfügige Änderungen, die " petits changements", die für den Komfort eines Residenzschlosses wichtig waren. Die Schlosskapelle liegt im linken Flügel, anschließend an die Räume Carl Theodors.

Zirkelbauten: nach Plänen von Bibiena und Rabaliatti ausgeführt, 1748/50 der Nördliche Zirkel, 1753 / 54 der Südliche Zirkel. Ihre Anlage muss mit dem Park zusammengesehen werden

Schlosstheater (Comoedienhaus): Das Theater wird von Nicolas de Pigage 1752 in ca 10 Wochen erbaut und 1762 erweitert. Es ist das älteste erhaltene Rangtheater weltweit.


Garten: Entstehung 1721 – 1743, Erweiterung 1753 nach Planung von Johann Ludwig Petri: Kreisparterre zwischen Zirkelhäusern und Laubengängen, Längsachse.

1762 nach Plänen von Nicolas de Pigage nochmalige Erweiterung (72 ha) mit Belassung des Kreisparterres, Schaffung einer Querallee und Bosketts mit vielen, sich vielfach schneidenden und ornamental geführten Wegen und Planung des "Java", der Sternalle, die über eine Allee vom Türkischen Garten in ein Gebiet im Ketscher Wald führt. Ein Areal von der Größe des gesamten Gartens ist dort mit einem spinnennetzartigen Grundriss als Jagdgarten angelegt. Diese Fläche ist heute Wald und vollkommen zugewachsen. Ab etwa 1773 wurde mit dem "jardin sauvage" nach englischen Vorbild ein neues Kapitel der Gartengestaltung aufgeschlagen. Im Schlossgarten entstehen im Laufe der Jahre verschiedene Parkbauten, so die Orangerie 1761, Apollo-Tempel mit Naturtheater 1762 , das Badhaus 1766 etc.


Ausflugsempfehlung:


Korrespondierend zu den Aufenthalten in Schwetzingen, besuchte Mozart Bruchsal vom 12.-14. Juli 1763, am 29. Oktober 1777 und Ende Oktober 1790. Bruchsal liegt auf der Postkutschenroute zwischen Ludwigsburg und Schwetzingen. Die Mozarts logierten im Gasthaus "Zum Riesen" und besichtigten das Schloss, die Residenz der Fürstbischöfe von Speyer.

Info: Stadtinformation Bruchsal, Am Alten Schloss 2, 76613 Bruchsal, Telefon und Fax 07251 – 7 27 71 und 7 93 01.


Mozartpflege heute :


Festival und Konzerte:

Schwetzinger Mozartfest® (alljährlich im September / Oktober ) und Schwetzinger Schlosskonzerte® (November – März)
Veranstaltet von der Mozartgesellschaft Schwetzingen e.V., Uhlandstraße 4, 68723 Schwetzingen – Information: Tel. 06202 – 5 66 06 oder Fax 06202 – 12 79 77

Email: a.m.braeunig@t-online.de

Führungen:

Stadtführungen" Auf den Spuren von Wolfgang Amadeus Mozart in Schwetzingen"
Und "Schwetzingen, Musik und Mozart"
Information und Buchungen, touristische Pauschalarrangements:
Stadtinformation Schwetzingen, Dreikönigsstraße 3, 68723 Schwetzingen
Tel. 06202 – 94 58 75, Fax 06202 – 94 58 77

Email: stadtinfo@schwetzingen.de

Schloss und Schlossgarten Schwetzingen:

Schlossführungen
April – Oktober
Dienstag bis Freitag, Samstag, Sonntag und Feiertage 11 – 16 Uhr
November – März
Freitag 14 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 11, 14 und 15 Uhr

Schlossgarten ganzjährig täglich geöffnet
Mai – September 9 – 19,30 Uhr
Oktober 9 – 17,30 Uhr
November – Februar 9 – 16,30 Uhr
März 9 – 17,30 Uhr
April 9 – 18,30 Uhr


Führungen, Sonderführungen und Mozart bezogene Themenführungen:
Information und Buchung: Service-Center Tel. 06221 – 53 84 31,
Email: info@service-center-schloss.heidelberg.com
Schlosskasse Schwetzingen: Tel. 06202 – 12 88 28


Angela Bräunig
Mozartgesellschaft Schwetzingen
Uhlandstraße 4
68723 Schwetzingen
Tel. 06202 – 3364
Fax 06202 – 127977
Email: a.m.braeunig@t-online.de