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Revidierter Auszug aus der Antrittsrede in Schwetzingen vom 25.Sept. 2010
Sehr geehrte Mitglieder, liebe Mozartfreunde, die Deutsche Mozart-Gesellschaft hat eine lange Tradition in Augsburg und nach vielen Jahren schließt sich nun scheinbar wieder ein Kreis, wenn ein Augsburger das ehrenvolle Präsidentenamt übernehmen darf. Im Gegensatz zu vielen meiner Vorgänger bin ich allerdings weder Künstler noch Wissen- schaftler, sondern als Leiter des Kulturamts mit der breiten Pflege des städtischen Kulturlebens in allen Genres betraut. Hierzu gehört natürlich als eine der vornehmsten Aufgaben die Profi- lierung der Deutschen Mozartstadt Augsburg wie die dramaturgische und künstlerische Kon- zeption der Mozartfeste, die seit 2004 vom Kulturamt auch in regelmäßigem Turnus als Deutsche Mozartfeste zusammen mit der DMG ausgerichtet werden. Die Stadt Augsburg hat die Entwicklung der seit 1951 in Augsburg ansässigen DMG mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und sich in der Vergangenheit immer wieder für ihren Erhalt und Fortbestand als nationalem Dachverband der Mozartgemeinden mit Sitz im Mozarthaus ein- gesetzt. Erstmalig wurde unter dem damaligen Präsidenten Dr. Dirk Hewig im Jahre 2004 ein erhöhter Zuschuss zwischen dem Präsidium und der Stadt Augsburg ausgehandelt. Darüber hinaus fließen in den letzten Jahren zur Sicher- ung der Arbeit der Geschäftsstelle weitere Zu- wendungen von der Stadtsparkasse Augs-burg sowie der Kurt und Felicitas Viermetz-Stiftung. Insgesamt sieht der Haushaltsplan für 2010 ein Gesamtvolumen von ca. 70.000 Euro vor, von denen allein 37.500 Euro durch die Augsburger Zuschüsse gedeckt werden. Schwindende Mitgliedereinnahmen aus den Gemeinden und dem Bereich der Einzelmitgliedschaften stellen die DMG allerdings mehr denn je vor große Probleme, die ein selbstbewußtes Agieren und die Wahrnehmung als Kompetenzzentrum der Mozartpflege in Deutschland immer schwieriger erscheinen lassen. Nur wenige Gesellschaften schaffen es noch, ihre Mitgliederzahlen zu halten oder gar wie Chemnitz und Hildesheim von Jahr zu Jahr zu steigern. Oftmals geschieht dies durch das uneingeschränkte persönliche Engagement ihrer jeweiligen Vorsitzenden, denen an dieser Stelle für ihren Einsatz ausdrücklich gedankt sei, da sie mit ihrer Arbeit vor Ort auch die Dach- organisation stützen. Die finanzielle Situation hat über die Jahre dazu geführt, dass die Handlungsfähigkeit der DMG sich eigentlich nur auf zwei aktive und im budgetären Sinne selbst verantwortete Tätig- keitsfelder mit überregionaler Ausstrahlung be- schränkt: dies sind die Acta Mozartiana und die Mozart-Musizierwoche. Die Deutschen Mozart- feste möchte ich an dieser Stelle zunächst ausklammern, da diese mit den eigenen Mitteln der jeweiligen Veranstalter und von der DMG weitestgehend unabhängig durchgeführt wer- den. Die Acta Mozartiana gelten in der Fachwelt als hochqualifiziertes Organ, in dem die Mozart- forschung ihr Forum findet. Unter der Schrift- leitung von Prof. Dr. Lütteken und nun unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Wald-Fuhrmann hat das zweimal jährlich erscheinende Periodikum seinen Rang behaupten können und gilt nach wie vor als das Informationsmedium für die- jenigen, die sich regelmäßig über die aktuelle Mozartforschung auf dem Laufenden halten wollen. Auch wenn die Acta von manchen Mitgliedern als zu fach- und musikwissen- schaftlich zur Seite gelegt wird, so muss diese Schriftenreihe doch erhalten werden, denn mit ihr beansprucht die DMG zu Recht nicht nur nationale, sondern sogar internationale Geltung und Kompetenz, wie die Liste der Abonnenten mit zahlreichen Bibliotheken und Instituten im In- und Ausland belegt. Gleiches gilt für die Mozart-Musizierwoche, die auch in diesem Jahr wieder ein großer Erfolg war und sehr engagiert von Herrn Jakob Schmid durchgeführt wurde. Die Idee des gene- rationenübergreifenden Musizierens im kammer- musikalischen Bereich erscheint mir als eine der vornehmsten bildungspolitischen Offensiven, die die DMG zu bieten hat und die eng mit der Geschichte der Gesellschaft verknüpft ist. Der Erfolg der Musizierwoche spricht für sich, wenn diesmal das Konzept sogar auf Wunsch der Landesmusikakademie NRW nach Heek ins Münsterland übertragen werden konnte. Gerade dieser Baustein sollte die Basis für ein weiter- reichendes pädagogisches Konzept im Bereich der Musikvermittlung durch die DMG als künftige Aufgabe darstellen. Aber kann eine Gesellschaft, die als nationales Kompetenzzentrum für die Mozartpflege gelten sollte, mit nur zwei eigenverantworteten profil- bildenden Tätigkeitsfeldern wirklich wahrge- nommen werden? Eine der wichtigsten Aufgaben des Präsidenten und des neuen Vorstands wird es daher sein, die DMG im Geiste der Satzung mit neuen Aktivitäten anzureichern. Natürlich scheint dies zunächst so, als wolle man die Quadratur des Kreises bewerkstelligen, denn jede Aktivität be- nötigt finanzielle und strukturelle Ressourcen. Das Problem ist natürlich nicht neu; auch in der Vergangenheit musste sich der Vorstand immer wieder fragen, können wir uns diese oder jene Maßnahme leisten. Auch die nicht zu gering zu schätzenden Versuche von Dr. Riedlbauer auf nationaler Ebene Drittmittel einzuwerben, fan- den in Zeiten allgemeiner Mittelknappheit leider keine offenen Ohren. Wie kann aber der Teu- felskreis durchbrochen werden, bei dem man einerseits um die Attraktivität und die Geltung der Gesellschaft ringt, auf der anderen Seite aber die Mittel zum Einsatz von profilbildenden Veranstaltungen fehlen? Um es gleich vorwegzunehmen: Wunderheiler sind wir alle nicht und dem Problem ist sicherlich nicht mit wohlmeinenden Bekenntnissen oder hynotischer Fixierung beizukommen. Sicherlich wird es schwierig bis unmöglich sein, einen dauerhaften Zuschuss auf Landes- oder gar Bundesebene für die Geschäftsstelle der DMG einzuwerben. Vielmehr müssen wir den Weg über Projektideen wählen und stärker inhaltlich bezogen vorgehen. Die unterschied- lichen Kompetenzen, die im Vorstand gebündelt sind, und von denen jeder über ein großes Maß an Erfahrung durch seine berufliche Tätigkeit verfügt, sehe ich als eine Art „think tank“, mit dem wir künftig bestimmte konzeptionell ausge- arbeitete (Pilot-) Projekte entwickeln und Netz- werke knüpfen. Lassen Sie mich dafür ein konkretes Beispiel formulieren: Es ist mir ein großes Anliegen, dass wir die Mozartgemeinden stärker mit der Arbeit der Dachgesellschaft vernetzten. Zeitgleich mit dem Mozartfest 2012 wird sich der 225. Todestag von Leopold Mozart jähren. Zusammen mit den Europäischen Mozartwegen, dem Bayerischen Tonkünstlerverband und der Stadt Piacenza sowie der mährischen Stadt Brünn hat die DMG einen gemeinsamen EU-Antrag gestellt, um einen „Hausmusikwettbewerb“ (so der gegen- wärtige Arbeitstitel) zu veranstalten. Alle regionalen Mozartgemeinden sollen eingeladen sein, Hausmusikliebhaber aus dem privaten Umfeld oder dem der lokalen Musikschulen aus- zuwählen und sie ermuntern, am Wettbewerb in Augsburg teilzunehmen. Der Wettbewerb soll die Tradition des häus- lichen Musizierens aufgreifen (wie sie bei den Mozarts - und natürlich auch bei den Bachs – im Kreise der Familie üblich war) und zu einem aktiven, generationenübergreifenden Musizie- ren ermuntern. Es wird auch darum gehen, dem immer häufiger festzustellenden rein passiven und konsumptiven Musikkonsum das Heran- bilden des eigenen Talents entgegenzusetzen. Dies soll aber nur ein über das EU-Programm finanzierter Baustein in einem exemplarischen Mozartfest sein, das sich neben hochkarätigen Künstlern in vorbildhafter Weise auch einem pädagogischen Profil verpflichtet fühlt. Anzudenken wäre hier flankierend ein Symposion, dass sich mit Fragen der Musik- vermittlung und der Konzertpädagogik be- schäftigt und den Stempel der DMG trägt. Schließlich sollte das komplette Abendpro- gramm des Mozartfestes in verkürzter und moderierter Form Kindern, Jugendlichen und Schülern vermittelt werden. Auf diese Weise soll das Erwachsenen-Programm für das Publikum der Zukunft aufbereitet werden, um dem Erbe des Mentors und Pädagogen Leopold gerecht zu werden. Sollte sich eine DMG beispielsweise nicht damit auseinandersetzen, wie angesichts einer immer stärker werdenden migrantisch ge- prägten Gesellschaft der spielerische, schwel- lenfreie und möglicherweise nonverbale Zugang zur Musik geschaffen wird und anhand von best- practice-Beispielen eine Vorbildfunktion in der musikalischen Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen übernehmen? Die so gestaltete Dramaturgie eines Mozart- festes könnte auf einem Dreiklang beruhen, den ich auch für die DMG im Allgemeinen als grund- legend erachte: a) hohe künstlerische Qualität der Konzert- programme und dramaturgische Originalität der Mozartfeste b) wissenschaftliche Netzwerkarbeit als Flan- kierung der praktischen Arbeit c) die Selbstverpflichtung, im bildungspolitischen Sinne einen pädagogischen Auftrag wahrzu- nehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Deut- sche Mozart-Gesellschaft mit Ihrer gebündelten fachlichen und künstlerischen Kompetenz ein starkes Profil entwickeln kann, das nicht nur einmal im Jahr leuchtturmartig von den Deut- schen Mozartfesten ausstrahlt, sondern auch geeignet ist, von den Mozartgemeinden je nach ihren eigenen Möglichkeiten adaptiert werden kann. Darüber hinaus möchte ich mit den Vorständen der einzelnen Gemeinden ausloten, ob nicht Interesse an einer gemeinsamen Angebotsbörse für Konzertengagements besteht. Warum sollten nicht die Künstler-Kontakte der Geschäftsstelle oder einzelner Vorstände und Mitglieder für die Gesamtgesellschaft genutzt werden, um einen Austausch zu befördern oder um Synergie- effekte zu schaffen, die alle Beteiligten ent- lasten? Natürlich steht im Vordergrund der Arbeit der einzelnen Gemeinden die jeweils sehr ortsspezifische Pflege eines Konzert- und Veranstaltungswesens. Auf der anderen Seite fände ich es erstrebenswert, wenn beispiels- weise einmal im Jahr auch eine mit dem Prädikat der DMG durchgeführte Spezialver- anstaltung in den Mozartgemeinden durchge- führt werden könnte, die dazu geeignet ist, die Arbeit der DMG einer breiteren Öffentlichkeit bekannter zu machen und das Band zwischen der Muttergesellschaft und ihren Töchtern zu stärken. Wäre es nicht eine reizvolle Idee, im Gegensatz zu den bekannten „Artist in resi- dence“ – Programmen und vor dem Hinter- grund der großen Reisetätigkeit von Wolfgang Amadé für jedes Jahr einen „Travelling Artist“ zu küren, der die Mozartgemeinden besucht, dabei einen Einblick in seine Arbeit gibt und eines der von den Gemeinden im Jahreszyklus veran- stalteten Konzerte bestreitet? Mit dem neu gewählten Vorstand sollen diese Punkte in einer ersten ausführlichen Arbeits- sitzung noch Ende Dezember 2010 vertieft werden und vielleicht lassen sich ja erste Ergebnisse für die Planung der Konzertsaison 2011/12 erzielen. Abgebildet werden sollte diese Art der natio- nalen Netzwerkarbeit mit allen Mozartge- meinden künftig natürlich auch über einen verbesserten neuen Internetauftritt der DMG. Zu guter letzt möchte ich betonen, dass natürlich der vornehmste Partner aller möglichen Ko- operationen die Stiftung Mozarteum in Salzburg selbst ist. Bereits in der Vergangenheit konnte ich immer wieder eine große Hilfsbereitsschaft der Salzburger Kollegen bei der Realisierung verschiedener Projekte erfahren. Ein erstes Gespräch mit dem Präsidenten Dr. Johannes Honsig-Erlenburg während meines Besuches zum Mozarttag in Salzburg war sehr konstruktiv. Hier wurde sowohl für den pädagogischen Bereich eine engere Zusammenarbeit ange- strebt, wie auch die wissenschaftliche Vorbe- reitung einer großen Leopold Mozart-Aus- stellung für 2019 angedacht. Die Ideen ließen sich fortsetzen. Ich möchte jedoch in Abstimmung mit dem Vorstand im Rahmen eines Workshops Ende Dezember zu einer klaren Definition einzelner Cluster und zu einer Fokussierung der kurzfristigen, mittel- fristigen und langfristigen Tätigkeitsfelder kom- men, damit die DMG ein unverwechselbares Profil erhält. Ich würde mich freuen, wenn Sie uns mit Ihrer engagierten Mitgliedschaft in der Erreichung der Ziele unterstützten. Ich freue mich auf eine kon- struktive Zusammenarbeit mit Ihnen allen und wünsche Ihnen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein friedvolles und musi- kalisch reiches Jahr 2011. Herzlichst Ihr Thomas Weitzel |
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